Wien 1900 – ein Gesamtkunstwerk
24.09.10 21:10

Selten
hat ein Krach in einer lokalen Standesorganisation so fruchtbare
Folgen gehabt wie der laute Austritt des Malers Gustav Klimt mit 18
Gleichgesinnten aus der behäbigen und bornierten „Genossenschaft
der bildenden Künstler Wiens“ im Jahr 1897 und die Gründung der
Rebellen-Organisation „Wiener Secession“. Es war ein
Befreiungsschlag im Namen der Kreativität. Er befreite das
Kunstschaffen aus der Zwangsjacke der akademischen Malerei und
Bildhauerei und schuf Raum für eine umfassende kulturelle
Botschaft: Eine neue Zeit beginnt. „Wien um 1900“ heisst die Schau,
mit der Barbara Steffen vom 26. September 2010 bis 16. Januar 2011
in der Fondation Beyeler diese kreative Aufbruchstimmung
illustriert. Erwartungsgemäss stellt die Wiener Kuratorin die
Arbeiten von Gustav Klimt und Egon Schiele ins Zentrum, doch sie
inszeniert sie als Teil eines Wiener Gesamtkunstwerks, in dem zu
Beginn des 20. Jahrhunderts neben Malern auch Architekten,
Möbelgestalter und andere Kunsthandwerker, Schriftsteller,
Komponisten die neue Zeit mitgestalteten. Viele wurden gleichzeitig
von mehreren kreativen Kräften gepackt: Arnold Schönberg
komponierte und malte, der Architekt Josef Hoffmann, Mitgründer der
Secession, entwarf Möbel und andere Gebrauchsgegenstände. Mit dem
Ersten Weltkrieg unter dem Untergang Österreich-Ungarns fand die
Aufbruchstimmung ein Ende. Leider gaben sich später einige,
darunter Josef Hoffmann, der Illusion hin, die Nazis knüpften an
ihren Jugendstil an, und liessen sich freudig in Dienst nehmen.
Klimt und Schiele, die Protagonisten der Neuen Zeit, starben so
früh, der eine 1915, der andere 1918, dass ihnen jede Versuchung
erspart blieb. Eine ausführlich Besprechung der Ausstellung und des
Katalogs folgt demnächst.
Tags:Wien, Wiener Secession, Jugendstil,
Egon
Schiele, Gustav Klimt, Josef Hoffmann, Wiener Werkstätte, Barbara Steffen, Gesamtkunstwerk
Kunst in Fesseln
09.06.10 16:29

Schon
als Kunststudent begann der Amerikaner Matthew Barney (*1967) mit
allerlei Geräten zu experimentieren, die ihn beim Zeichnen
behindern konnten. Zuerst waren es elastische Seile und Gewichte,
die der athletische Football-Spieler vom Training her kannte.
Später ging er zu Versuchsanordnungen über, die auch psychischen
Stress verursachten. So entstanden 16 Performances, die der
Künstler unter dem Titel «Drawing Restraint» zusammenfasste und
seine Überzeugung illustrierte, dass «Form nur Gestalt annimmt,
wenn sie gegen Widerstand kämpft». Weil die Laurenz-Stiftung,
zusammen mit dem Museum of Modern Art in New York Matthew Barneys
Archiv der «Drawing Restraint»-Reihe erworben hat, ergab sich die
Möglichkeit, die Werke vom 12. Juni bis zum 3. Oktober 2010 im
Schaulager in Münchenstein erstmals vollständig öffentlich zu
präsentieren. Der Kurator der Ausstellung, Neville Wakefield,
ergänzte Barneys Objekte und Filmprojektionen mit Kunstwerken aus
der nördlichen Renaissance, in der Überzeugung, dass in Gemälden,
Stichen und Zeichnungen aus dem 16. und 17. Jahrhundert ähnliche
Aspekte – Kraftanstrengung, Überwindung von Widerständen, Verlust
des Gleichgewichts, Aufsteigen und Fallen – zu finden sind. Eigens
für die Ausstellung gestaltete Matthew Barney einen «Drawing
Restraint 17» genannten Film, in der sich eine junge Frau gegen
Widerstände abmüht. Der Film ist auf den Projektionswänden an der
Fassade des Schaulager-Gebäudes zu sehen. Eine Besprechung
steht hier.
Tags:Matthew Barney, Neville Wakefield, Adam Philips, Houdini, Schaulager Münchenstein
Roboterträume
08.06.10 15:42

Ob
und, wenn ja, was Roboter träumen, will die Ausstellung
«Roboterträume» im Museum Tinguely in Basel vom 9. Juni bis 12.
September 2010 nicht zeigen. Auch Isaac Asimovs titelgebende
Kurzgeschichte vom Roboter, der dem Menschen ebenbürtig wird, will
die Schau nicht illustrieren. Vielmehr versammelt das von Roland
Wetzel und Andres Pardey in Zusammenarbeit mit dem Kunsthaus Graz
(Intendant: Peter Pakesch) gestaltete Panoptikum eine Vielfalt
künstlerischer Interventionen am Übergang zur Automaten-Technik.
Oft bleibt offen, wo die künstlerische Inspiration beginnt und die
technische Innovation endet. Es sind sowohl bekannte Installationen
zu sehen – darunter zum Auftakt der «Andy Warhol Robot» von Nam
June Paik (Bild) und ein Fünf-Minuten-Medley aus klassischen
Roboterfilmen – als auch eigens für die Ausstellung geschaffene
Arbeiten jüngerer Künstlerinnen und Künstler. Und wie üblich bei
Gruppen-Präsentationen von Auftragsarbeiten ist die Relevanz dieser
Kunstwerke sehr unterschiedlich. Dem Katalog ist es vorbehalten,
wichtige historische Bezüge nachzuzeichnen, die in der Ausstellung
zu kurz kommen – insbesondere die lange Tradition der Automaten und
Maschinenmenschen. Die ausführliche Besprechung steht
hier.
Tags:Jon Kessler, Sibylle
Hauert, Luc Mattenberger, Nam June
Paik, Niki Passath, Sibylle Hauert, Thomas
Baumann, Daniel Reichmuth, John Bock
Basquiat in der Fondation Beyeler
07.05.10 16:42

Aus
Anlass seines 50. Geburtstages widmet die Fondation Beyeler
Jean-Michel Basquiat, dem Wunderkind der amerikanischen
Hip-Hop-Generation, die bisher umfangreichste Retrospektive. Vom 9.
Mai bis zum 5. September sind in Riehen kuratiert von Dieter
Buchhart und Sam Keller, 86 meist grossformatige Gemälde, dazu
Zeichnungen und skulpturale Objekte zu sehen – eine Auswahl aus
einem riesigen Oeuvre, das über 1000 gemalte und mehr als 2000
gezeichnete Arbeiten umfasst. Basquiat, 1960 als Kind einer
Puertoricanerin und eines Haitianers in Brooklyn geboren und 1988
in Manhattan im Drogenrausch gestorben, begann mit 16 als Sprayer,
dann versuchte er sich als Gestalter von T-Shirts und als Musiker
bevor er sich der Malerei zuwandte. Sein Aufstieg zum Jungstar der
internationalen Kunstszene begann 1981, als seine Arbeiten in der
Ausstellung «New York/New Wave» neben Bildern von Keith Haring und
Robert Mapplethorpe hingen und die ersten Kunsthändler auf ihn
aufmerksam wurden. Ein Jahr später sah sich der 21-jährige zur
Documenta nach Kassel eingeladen. Erstklassige Galerien in den USA
und in Europa richteten ihm Einzelausstellungen aus. In der
chronologisch aufgebauten Präsentation in Riehen ist ein zunehmend
selbstsicheres kreatives Naturtalent dabei zu beobachten, wie es
seiner eigenen Welt Form und Farbe gibt – spielerisch, kraftvoll
und «immer echt», wie sein Galerist und Förderer Bruno
Bischofberger betont.
Die
ausführliche Besprechung der Ausstellung und des Katalogs gibt
es hier.
Tags:Jean-Michel Basquiat, Keith Haring, Al Diaz, Glenn
O’Brien, Madonna, Diego Cortez, John Cage,
Julian Schnabel, Francesco Clemente,
Annina Nosei, Andy Warhol, Bruno Bischofberger, Fab 5 Freddy
Der Erste Weltkrieg
05.05.10 14:27
Auf
vier DVDs mit insgesamt über elfeinhalb Stunden Filmsequenzen
entwickeln Heinz Bütler und Alexander Kluge mit Hilfe zahlreicher
illustrer Expertinnen und Experten unter dem Titel «Der Erste
Weltkrieg: Kunst und Krieg» ein umfassendes Panorama künstlerischer
und politischer Weichenstellungen, die ein ganzes Jahrhundert zum
Entgleisen brachten. Die Frucht der Zusammenarbeit zwischen NZZ
Format und dctp.tv wird (für stolze 120 Franken) als
«Sammlerobjekt» präsentiert und gleichzeitig als «Work in progress»
relativiert. Für das Jubiläumsjahr 2014 steht eine ergänzte Fassung
in Aussicht. Die von Heinz Bütler verantworteten beiden ersten DVDs
befassen sich mit einzelnen Künstlern und ihren Kriegserfahrungen
(DVD 1) sowie mit Dadaismus und Surrealismus (DVD 2). Alexander
Kluge dokumentiert – mit einem bedeutend grösseren Stab von
Mitarbeitenden und einem signifikant höheren intellektuellen und
kreativen Aufwand – «Die Abwesenheit von Kriegskunst», zeigt «wie
ein Jahrhundert entgleist» (DVD 3) und demonstriert die
Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit historischen Katastrophen
(DVD 4) – denn «wer die Massaker nicht erinnert, pflegt sie.» Es
liegt in der Natur der Materialsammlung, dass sich die
Betrachtenden auf Längen und Unfertiges gefasst machen müssen. Das
Begleitheft hilft, Schwerpunkte zu erkennen. Unsere kritische Besprechung
steht hier.
Tags:Kunst und Krieg, Kriegskunst, Der Erste Weltkrieg,
Alexander Kluge, Ueli Jäggi, Heinz
Bütler, Bernhard Echte, Eberhard W. Kornfeld, Veronika Mertens, Robert
Kopp, Christian Uetz, Winfried Baumgart, Peter
Berling, Jörg Friedrich, Gerhard
Gross, Michael Lentz, John C. G. Röhl, Matthew Rubenstein, Martin Wuttke, Michael
Geyer, Friedrich Kittler, Markus Pöhlmann, Sönke Neitzel, Bernhard R. Kroener, Rolf Hochhuth, Elisabeth Lenk, Achim Kubinski, Robert Hunger-Bühler, Ragna
Schirmer, Stefan Zweifel, Juri
Steiner, Rudolf Koella
Die Essenz der Dinge
23.03.10 11:26
Vom Faustkeil bis zum billigsten Auto der Welt, vom klassischen
Thonet-Stuhl bis zum Sparschäler spürt das Vitra Design Museum in
Weil am Rhein bis zum 19. September 2010 unter dem Titel «Die
Essenz der Dinge» den Verbindungen des Designs mit der Kunst der
Reduktion nach. Kurator Mathias Schwartz-Clauss organisiert 159
Exponate in einem Prolog und zwölf Kapiteln und ergänzt die
Präsentation mit Projektionen von assoziierten Gegenständen. In dem
so entstehenden Panoptikum der Design-Geschichte, das um die
Sitzmöbel-Sammlung des Museums kreist, ergeben sich teils
spannungsvolle, teils irritierende Gegenüberstellungen.
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Tags:Design, Design-Geschichte, Vitra Design Museum
VitraHaus in Weil am Rhein:
Häuserstapel
13.02.10 10:24
In Weil am Rhein präsentierte Rolf Fehlbaum, Chef des
Designmöbel-Herstellers Vitra und seit vielen Jahren ein Förderer
ungewöhnlicher Architektur, das von den Basler Architekten Herzog
& de Meuron entworfene «VitraHaus». Was äusserlich wie ein
willkürlich errichteter Häuserstapel aussieht, bietet im Innern
grosszügig Raum für die Präsentation der Wohnmöbel-Kollektion des
Unternehmens. Den Besuchern wird aber auch die Geschichte des
modernen Möbeldesigns nahe gebracht. Und sie sind vom 22. Februar
2010 an während der Öffnungszeiten (Montag bis Sonntag von 10 bis
18 Uhr) eingeladen, ihre Sinne für Formen und Farben zu schärfen.
Wer will, kann Möbel und Objekte ausprobieren und im Shop bestellen
oder kaufen.
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Tags:Vitra- Campus, Herzog & de Meuron, Architektur
Vom Kino zur Kinetik - die bewegte
Kunst wird zur Kunstgewegung
09.02.10 19:39

Drei
Ausstellungen in einer präsentiert das Museum Tinguely in Basel vom
10. Februar bis zum 16. Mai 2010: Die erste ist eine Rekonstruktion
der Kinetiker-Schau «Le Mouvement», die 1955 unter der
(umstrittenen) Regie von Victor Vasarely in der Pariser Galerie
Denise René die junge Bewegungskunst als Kunstbewegung zu
etablieren versuchte. Jean Tinguely, belegt die von Roland Wetzel
kuratierte Rückschau, hatte dort mit seinen filigranen
motorisierten Skulpturen und Reliefs einen ersten überzeugenden
Auftritt. Im zweiten Teil werden die Filme gezeigt, die 1955,
parallel zur Ausstellung aber in einem gesonderten Programm der
Cinémathèque Française, zu sehen waren. Die Kino-Kunststücke leiten
über zum dritten Teil, zur Spurensuche in den zwanziger Jahren, als
die ersten Künstler mit Filmen und mit beweglichen Skulpturen –
Mobiles, Lampenschirme, ein Metronom – zu experimentieren begannen.
Mit welch grossem Ernst sie dabei zu Werke gingen, ist unter
anderem an den Aquarellen zu sehen, mit denen Oskar Fischinger
seine Filme gestaltete. Mehr…
Tags:Kinetik, Konzeptkunst, Galerie Denise René, Jean Tinguely, Victor
Vasarely, Pontus Hulten, Marcel
Duchamp, Alexander Calder, Jean-Robert Arnaud, Yaacov Agam, Robert
Jacobsen, Pol Bury, Jesús Rafael Soto, Richard Mortensen, Hans Richter, Fernand
Léger, Man
Ray, Robert Breer, Viking Eggeling, Oskar Fischinger, Naum gabo, Kasimir malewitsch, László Moholy-Nagy, Alexander Rodtschenko, Walther Ruttmann, Roland Wetzel
Henri Rousseau in der Fondation
Beyeler
07.02.10 13:08
Blutrünstige
Wildkatzen in märchenhaftem Urwalddickicht: Das ist der Stoff, in
dem sich nach landläufiger Meinung des Zöllners Henri Rousseau
naive Kreativität erschöpfte. Eine Ausstellung von 40
herausragenden Gemälden in der Fondation Beyeler in Riehen belegt
vom 7. Februar bis zum 9. Mai 2010, wie einseitig das gängige
Vorurteil über den angeblichen «peintre naïf» bei naher Betrachtung
ist. Mit der sorgfältigen Gegenüberstellung einzelner Werke führt
Kurator Philippe Büttner die Eigenständigkeit des Autodidakten vor,
und mit der Einbettung von Rousseaus Oeuvre in das Schaffen seiner
Zeitgenossen macht er den grossen Einfluss fassbar, den der
«Douanier» auf seine Kollegen ausübte. (Das Bild zeigt einen
Ausschnitt aus «Surpris!» von 1891.) Mehr…
Tags:Henri Rousseau, Naive
Malerei, Surrealismus, Kubismus, Wassily Kandinsky, Pablo Picasso, Felix
Valloton, Landschaftsmalerei, Porträtmalerei, Dschungelbilder
Basler Fasnacht und Kunst
04.02.10 21:33
20
beispielhafte Laternenhelgen aus knapp 100 Jahren Basler Fasnacht,
Jeannots Vortrab-Maschine «L’Avant-Garde», eine kleine Galerie
seiner Kuttlebutzer-Ideenskizzen, drei Beuys-Mäntel der «Alte
Richtig» samt Kurzvideo und an den Wänden, links und rechts, zwei
Rohlarven-Paraden: Das ist, kurz zusammengefasst, die Ausstellung
«Fasnacht & Kunst & Tinguely», die als Hommage an das heuer
hundertjährige Fasnachtscomité vom 2. Februar bis 16. Mai 2010 im
Basler Museum Tinguely zu bewundern ist. Gewiss, was da geboten
wird, ist von einer umfassenden Darstellung der kreativen Wucht,
die der dreitägige Mummenschanz jedes Jahr am Rheinknie entfaltet,
weit entfernt. Aber eine Ahnung davon vermag die Schau durchaus zu
entwickeln. Das ist offensichtlich das Verdienst des Kurators
Andres Pardey, der mit Engagement und fasnächtlichem Sachverstand
zu Werke ging.
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Tags: Basler Fasnacht, Jean Tinguely, Kuttlebutzer, Joseph Beuys, Alti
Richtig, Fanachts-Comité
Jenny Holzer in der Fondation
Beyeler
02.11.09 15:40

Dass
Jenny Holzer eine Berühmtheit wider Willen ist, die öffentliche
Auftritte ohne jede narzisstische Attitüde absolviert, war bei der
Presse-Präsentation ihrer Ausstellung in der Fondation Beyeler in
Riehen bei Basel offensichtlich. Geduldig beantwortete die
Amerikanerin unzählige befremdliche und einige sinnreiche Fragen
aus dem grossen Publikum, in dem die Medienleute eine kleine
Minderheit darstellten. Und Direktor Sam Keller krönte den Anlass
mit einem eigenen absurden Akzent, indem er der Künstlerin für ihre
Geduld überschwänglich dankte und die Zuhörenden zu einem grossen
Applaus aufforderte. Welch ein Kontrast zum Werk dieser explizit
politischen, auf Wirkung in der Öffentlichkeit bedachten Frau! Seit
über 30 Jahren nutzt sie jede technische Möglichkeit, ihren Protest
gegen Ungerechtigkeit, Gewalt und Krieg unter die Leute zu bringen.
Sie gehört zu den ganz wenigen zeitgenössischen Kunstschaffenden
von Rang, die vom gesellschaftlichen Auftrag der Kunst überzeugt
sind und dafür ihr ganzes Können einsetzen. Wie vielfältig sie ihr
Engagement für eine gerechtere Welt sichtbar macht, zeigt (vom
1.11.2009 bis zum 24. Januar 2010) die eindrückliche, von Elizabeth
A. T. Smith (Museum of Contemporary Art in Chicago) und Philippe
Büttner (Fondation Beyeler) kuratierte Ausstellung.
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Tags:Jenny Holzer, Konzeptkunst, Politische Kunst, Truisms, Xenon-Projektionen, Sprache und Kunst, Kunst im öffentlichen
Raum
Rauschenberg bei Tinguely
22.10.09 09:26
Gleich
auf doppelte Weise ermöglicht das Museum Tinguely in Basel, einen
der Pioniere der amerikanischen Moderne, den am 13. Mai 2008 im
Alter von 82 Jahren verstorbenen Robert Rauschenberg, kennen zu
lernen: Vom 14. Oktober 2009 bis zum 17. Januar 2010 präsentieren
der neue Museumsleiter Roland Wetzel und die Kuratorin Annja
Müller-Alsbach gleichzeitig die Zusammenarbeit Jean Tinguelys mit
seinem amerikanischen Freund «Bob» Rauschenberg und – unter dem
Titel «Gluts» – eine Auswahl aus der gleichnamigen Werkgruppe aus
dem Spätwerk, die zuerst in der Peggy-Guggenheim-Collection in
Venedig gezeigt wurde und von Basel nach Bilbao weiter wandern
wird. Gestaltet wurde dieser Teil der Schau von Susan Davidson vom
New Yorker Guggenheim-Museum und von David White, Kurator des
Rauschenberg-Nachlasses. Mehr...
Rauschenberg: «Trophy III (for Jean
Tinguely)»
Tags:Robert Rauschenberg, «Gluts», Jean
Tinguely, Nouveau Réalisme, Kinetische Kunst, Neo-Dada, «Homage to New York», «The Construction of
Boston», «Homage to David
Tudor», Arist Collaborations, «Dylaby»,
«Bewogen Beweging», Niki de Saint-Phalle, Daniel Spoerri, Martial
Raysse, Per Olof Utveldt, Kenneth
Koch, Merce Cunningham, Pontus
Hultén
Eisen, Feuer und die Zeit
21.09.09 11:44
Feuer
und Eisen ist ein Hauptthema Paul Wiedmers, und so heisst auch die
Ausstellung die vom 16. September 2009 bis zum 24. Januar 2010
im
Museum Tinguely in
Basel zu sehen ist. Doch der aus Burgdorf stammende Eisenplastiker
aus dem Freundeskreis der Tinguelys und Luginbühls ist inzwischen
über seine frühe Liebe zu Flammen speienden Konstruktionen hinaus
gewachsen. In den letzten Jahren hat er sich intensiv mit Zeit und
Mass beschäftigt. Ohnehin musste sich Andres Pardey, der die
Ausstellung kuratierte, auf wenige Aspekte von Wiedmers Schaffen
beschränken. Denn viele Werke wurden als Antwort auf einen
bestimmten Ort geschaffen, die meisten für Wiedmers
Freiluft-Galerie «La Serpara» im Süden der Toskana. Zur Ausstellung
erschienen ein Katalog und der Comic «Time Riders», den Wiedmers
Sohn Samuele Vesuvio zur Erläuterung der neun
«ZeitZeichen»-Skulpturen gezeichnet hat. Mehr...
Tags:Paul Wiedmer, Jean
Tinguely, Bernhard Luginbühl, Nouveau Réalisme, Eisenplastiker, Skulpturengarten «La
Serpara», Ludwig Oechslin
Kunst-Clan Giacometti
29.05.09 16:26
«Giacometti» heisst (vom 31.
Mai bis 11. Oktober 2009) kurz und bündig der Titel der
Sommer-Ausstellung in der Fondation Beyeler. Anhand von über 150
Werken belegt die Schau die Einzigartigkeit und die enge
künstlerische Verbundenheit des Bergeller Clans der Giacomettis.
Die Familienmitglieder sassen einander nicht nur oft und gern
Modell, sondern sie halfen einander auch, künstlerische Probleme zu
lösen. Besonders eng war der Austausch zwischen Vater Giovanni
Giacometti und seinem Sohn Alberto. Die umfassende Werkschau von
Alberto Giacomettis Auseinandersetzung mit der Darstellung der
Bewegung in Raum und Zeit kommt in der Architektur von Renzo Pianos
Museumsbau in grossartiger Weise zur Geltung. Mehr...
Tags:Giovanni Giacometti, Alberto Giacometti, Diego Giacometti, Augusto Giacometti, Fondation Beyeler
Rüstungen und Roben
12.05.09 09:00
Einmal mehr bestätigt das
Museum Tinguely in Basel seine führende Rolle als Ort kreativer
Kunst-Inszenierung. Die Lust am hemmungslosen Entdecken und
Ausprobieren, die Jean Tinguely und seine weitläufige Entourage
auszeichnete, beflügelte einmal mehr auch Guido Magnaguagno, wenn
er in der Ausstellung «Rüstung & Robe» (13. Mai bis 30 August
2009), seiner letzten als Direktor, prächtige Erzeugnisse des
ausgestorbenen Handwerks der Plattnerei aus Zeughäusern in Graz,
Wien und Solothurn als «hohe Schule des wehrhaften Harnischs»
zelebriert und mit Abendroben von Roberto Capucci sowie Werken von
Eva Aeppli und Niki de Saint Phalle konfrontiert.
Selbstverständlich gehört auch Jean Tinguelys und Bernhard
Luginbühls ARTillerie zur Schau. Auch ihre kriegerischen
Inszenierungen des ewigen Geschlechterkampfs sind
selbstverständlich präsent. Mehr...
Tags:Museum Tinguely, Plattnerei,
Mode, Couturier Roberto
Capucci, Oskar Schlemmer, Jean
Tinguely, Bernhard Luginbühl, Daniel
Spoerri, Niki de Saint Phalle, Eva Aeppli,
Helm, Harnisch
Holbein bis Tillmans
01.04.09 13:52

Etwa 250 Werke, die rund 120
Künstlerinnen und Künstlern seit dem 15. Jahrhundert geschaffen
haben, versammelt Theodora Vischer, die Direktorin des Schaulagers
in Münchenstein bei Basel, vom 4. April bis 4. Oktober 2009 in
ihrer Schau «Von Holbein bis Tillmans,». Über 200 der Exponate
gehören dem Kunstmuseum Basel, das seine Säle für eine grosse van
Gogh-Ausstellung leer räumen musste. Das bot Gelegenheit, die
Kunst-Stücke vorübergehend im Schaulager aufzunehmen und sie mit
Werken der Gegenwartskunst zu konfrontieren. Zu sehen ist nun ein
spannendes, zum Teil witziges Panoptikum voller Überraschungen.
Bilder, die in unserem Bewusstsein seit Kindertagen im Kunstmuseum
ihren festen und sicheren Platz hatten, gewinnen in der ungewohnten
Umgebung ganz neue Qualitäten. Der Kuratorin, die sich
offensichtlich erlaubte, mehr auf ihre Intuition als auf ihr
kunsthistorisches Wissen zu setzen, gelingt es mit ihrem,
bescheiden als «Bilderessay» affichierten Experiment, «Reflexion
und Imagination» ihres Publikums zu erweitern. Mehr...
Tags:Schaulager, Kunstmuseum Basel, Holbein, Tillmans
Littmanns chinesischer Veloladen
10.02.09 19:57
1997
kaufte der Basler Kunst-Unternehmer Klaus Littmann auf Pekinger
Strassen zehn dreirädrige Lasten-Fahrräder. 2008 erstand er – zum
Teil unter bizarren Umständen – 24 weitere. Einen Teil dieser
Tricycles – 18 im «Originalzustand», als eine Art Readymades, und
16 von Künstlern verfremdete – sind vom 11. Februar bis zum 19.
April 2009
im
Museum Tinguely in Basel ausgestellt. So spassig sich die
Fahhrad-Parade neben Tinguelys Maschinen ausnimmt und so schnell
sich die Erinnerung an Jean Tinguelys und seiner Freunde Umzug vom
Atelier an der Pariser Impasse Ronsin zur
«Galerie des 4 saisons» am 14. Mai 1960 einstellt: so wahnsinnig
aufregend, wie die Schau angepriesen wird, ist sie nicht.
Selbstverständlich machen diese urtümlichen Velos ohne ordentliche
Bremsen und Gangschaltung einen exotischen Eindruck. Und, ja: Die
eingeladenen Künstlerfreunde Klaus Littmanns haben sich alle Mühe
gegeben, mit den Rädern etwas Originelles anzustellen. Richtig gut
gelungen ist das allerdings nur in anderthalb Fällen. Halbwegs
reüssierte Thomas Virnich – vor allem, weil er handwerklich
brillierte: Er kaschierte sein Rad zuerst mit
seidenstoff-überzogenem Papiermaché, schnitt die Form dann auf und
platzierte den Zwilling kopfüber auf die Ladefläche, sodass nun
eine hübsche Chinoiserie zu bewundern ist. Grossartig hat der in
Basel lebende Amerikaner Michael Vessa auf sein Fahrrad reagiert.
Er motzte das Klappergestell zu einem technisch voll ausgerüsteten,
das moderne China perfekt symbolisierenden Gefährt auf und baute es
mit viel Liebe zum Detail zu einer mobilen Rednertribüne um: es
gibt ein Treppchen zur Plattform hinauf, ein ausklappbares Pültchen
fürs Manuskript, Fahnen auf faltbarem Gestänge- insgesamt eine
vollendete, aber ganz unaggressive Provokation und ein Aufruf zur
Verteidigung der Redefreiheit. Im Gegensatz zu dieser
herausragenden Arbeit verstanden viele der beteiligten Künstler die
Velos lediglich als Podest oder allenfalls als Synonym für ein
beliebiges Transportmittel. Reizvoll ist immerhin zu sehen, wie nah
sich Originale und Kunst-Stücke im Einzelfall kommen. Das
Garküchen-Motiv kommt zum Beispiel drei Mal vor: zwei Mal echt und
einmal westlich nachempfunden. Zu hoffen ist, dass Klaus Littmann,
der seine Fahrrad-Schau von Basel aus auf Tournee schicken und auf
ihrem Weg noch ausbauen will, künftig noch mehr Künstlerinnen und
Künstler findet, die sich wirklich intensiv auf die chinesischen
Lastenräder einlassen wollen.
Bilder © Jürg Bürgi (oben), Nils Fisch (unten).
Tags:Tricycle, Chinesische Lastenvelos, Klaus
Littmann, Museum Tinguely, Michael
Vessa, Thomas Virnich
Sammelsurium mit Seele
04.02.09 10:47
Im
Museum Tinguely in Basel macht der Zeichner und Verleger Ted Scapa
von 4. Februar bis 19. April 2009 seine wuchernde Privatsammlung
öffentlich zugänglich – grossformatige Druckgraphik neben
afrikanischen Holzskulpturen, chinesische Tonstatuetten, Masken aus
Neuguinea und Memorabilien von Jean Tinguely und weiteren
Künstlerfreunden. Was Kunsthistoriker schockieren muss, ist für das
weniger bedarfte Publikum eine Offenbarung: Da sammelte ein
Künstler ein Leben lang alles, was ihm gefiel oder mehr oder
weniger zufällig zufiel. Und er stapelte diese Sammelstücke, diese
Trophäen und Trouvaillen in seiner Wohnung zu einem ganz
individuellen, nur ihm und seinen Nächsten durchschaubaren
Sammelsurium, ohne Rücksicht auf Konventionen, ohne Angst vor
Beschädigung. Mehr...
Tags:Ted Scapa, Indigene
Kunst, Museum Tinguely, Moderne Druckgraphik
Bildwelten: Afrika, Ozeanien und die
Moderne
23.01.09 19:16

S
kulpturen
indigener Künstler im Dialog mit Werken von Meistern der
klassischen Moderne: Das ist die Grundidee der Ausstellung
«Bildwelten – Afrika, Ozeanien und die Moderne» (25. Januar bis 24.
Mai 2009) in der
Fondation
Beyeler in
Riehen. Neu ist das Konzept zwar nicht, doch so konsequent und
wagemutig wie Kurator Oliver Wick hat sich noch niemand an die
Arbeit gemacht: In den Mittelpunkt des «visuellen Abenteuers»
(Wick) stellte er in je sechs Räume Skulpturen-Gruppen aus Afrika
und Ozeanien, insgesamt 197 Kunstwerke, und konfrontiert sie mit 44
Arbeiten, mehrheitlich Gemälden, der klassischen Moderne, 40 davon
aus dem eigenen Sammlungsbestand. So eigenwillig wie die
Ausstellung, so unkonventionell ist auch die Begleitpublikation:
eine Pappschachtel. Sie enthält – zum Auseinanderfalten – 15
grossformatige Bildtafeln mit den Abbildungen der ausgestellten
Werke und sachkundigen Erläuterungen, sowie eine 48 Seiten starke
Broschüre, deren Haupttext anschaulich zeigt, wie verschieden
Ethnologen und Kunsthistoriker mit den früher als «primitive Kunst»
oder als «Art brut» etikettierten Werken umgehen.
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Tags:Indigene Kunst, klassische Moderne, Afrika, Ozeanien,
Fondation Beyeler
Jürg Hasslers Schach-Spiele
21.10.08 16:48
Der Filmemacher und gelernte Bildhauer Jürg Hassler, 70, erfindet
seit fünf Jahren das Schachspiel neu. Wie berühmte Künstler des 20.
Jahrhunderts – Man Ray und Max Ernst zum Beispiel – gestaltet er
neue Figuren, aber anders als den Vorgängern genügt ihm das nicht.
Das flache Brett mit den 64 Feldern erscheint ihm als Kampfplatz
allzu banal. Seine Figuren belagern und attackieren einander auf
polierten Steinplatten ebenso wie auf einem Floss aus alten
Eisenbahnschwellen; sie bevölkern stllisierte Stadtlandschaften
oder eine Sandwüste. Den Ideen sind keine Grenzen gesetzt: Die Welt
ist in Hasslers Augen ein Schach-Platz, ein Sch(l)ach(t)-Feld
sozusagen; und wer sich zum Mitspielen animieren lässt, gestaltet
es mit. Eine Besprechung dieser witzigen Ausstellung im Muesum
Tinguely in Basel (22.10.2008 bis 18.1.2009)
gibt es hier.
Tags:Jürg Hassler, Schach, Schachbrett-Skulpturen, Museum
Tinguely
Schenkung Aeppli im Museum
Tinguely
19.09.08 09:55
Mit einem Schlag, mit der grossherzigen Schenkung von Christoph
Aeppli, besitzt das Museum Tinguely sämtliche Bronzeköpfe von Eva
Aeppli – Planeten, Sternzeichen, astrologische Aspekte und
menschliche Schwächen als oft verstörende Charaktermasken. Zur
Donation gehören auch zwei Gemälde der Künstlerin, eine kleine Nana
von Niki de Saint Phalle, ein frühes Relief von Jean Tinguely sowie
zahlreiche Zeichnungen, Briefe und andere Archivstücke. Das Museum
übernimmt die geschenkten Kunstwerke mit einer Schau «Aeppli
schenkt Aeppli» (bis uzum 1.2.2009).
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Tags:Eva Aeppli, Christoph Aeppli, Jean Tinguely, Niki de Saint Phalle, Nouveau Réalisme, Il Giardino di Daniel
Spoerri
George Nelson – Architekt, Autor,
Designer, Lehrer
15.09.08 16:39

War Le Corbusier der Philosoph des Designs, so war George Nelson
(1908 bis 1986) sein Praktiker – in einem ebenso umfassenden Sinn.
Neben Uhren und Geschirr entwarf er Möbel zum Wohnen und
Büroarbeiten. Er gestaltete dabei nicht nur die Form nach der
Funktion, sondern achtete besonders darauf, dass die Produkte
kostengünstig industriell produziert werden konnten. Nelson, der
nach seinem Architekturstudium dank einem Stipendium Europa
bereisen und die europäischen Pioniere der Moderne (Le Corbusier,
Mies van der Rohe, Walter Gropius und Gio Ponti) kennen lernen
konnte, entwickelte in seiner Heimat als Publizist und Lehrer
grossen Einfluss auf die Design-Szene. Seine Vorstellungen von
moderner Urbanität, seine Erkenntnisse über Marken-Kultur
(Corporate Design) und seine Forderung, dass sich gutes Design
nicht in erster Linie in schönen Formen, sondern in der Lösung von
Problemen bewähren müsse, sind bis heute gültig. Weil der
langjährige Programmleiter des Möbelherstellers Herman Miller
dieses Jahr 100 Jahre alt geworden wäre, zeigt das
Vitra Design Museum in Weil am Rhein (bis zum 1.
März 2009) eine umfassende Retrospektive über Nelson als
«Architekt, Autor, Designer, Lehrer».
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Tags:Architektur, Design, Kulturpolitik
Fernand Léger: Brücke über den
Ozean
30.05.08 10:12
Wie sehr Fernand Léger
(1881 bis 1955) von Amerika fasziniert war, wie sehr er die
amerikanischen Künstler – Roy Lichtenstein, Robert Rauschenberg,
Elllsworth Kelly – als transozeanischer Brückenbauer beeinflusste,
sodass es nicht übertrieben ist, den Franzosen als «Vater der Pop
Art» zu bezeichnen, das alles zeigt, kuratiert von Philippe
Büttner, vom 1. Juni bis zum 7. September die Fondation Beyeler in
Riehen in der Retrospektive «Fernand Léger: Paris – New
York».
Eine ausführliche Besprechung ist hier zu
finden.
Tags:Fernand Léger, Fondation Beyeler, Pop Art, Amerikanische
Gegenwartskunst
Im Massstab 1:1: Andrea Zittel und
Monika Sosnowska im Schaulager
25.04.08 13:27
Die eine, Monika
Sosnowska, lässt sich von der Unwirtlichkeit ihrem
postkommunistischen Wohnort Warschau provozieren, den sie als
Trümmerwüste erlebt und in überlebensgrossen Skulpturen aus
Eisenschrott und Betonschutt aufhebt. Die andere, Andrea Zittel,
macht ihre alltägliche Existenz als «Forscherin und Erfinderin» zum
Rohstoff ihrer Kunst. Sie hat sich dafür in der Wüste etabliert und
sucht nach idealen Formen der Behausheit, indem sie Wohn- und
Arbeitsräume entwirft und ausprobiert, trachtenartige Kleider als
Behausung des Körpers näht und ihre Gedanken malend auf grossen
Sperrholzpaneelen fixiert.
Was verbindet die beiden Frauen?
Nichts. Was haben sie künstlerisch gemeinsam? Gar nichts. Weshalb
ist ihr Schaffen nun gleichzeitig zu sehen? Weil Theodora Vischer
«ein Gefühl hatte, ihre Werke zusammen ausstellen zu wollen», wie
sie freimütig zugibt. «Im Nachhinein kann man es dann natürlich
begründen.» Dabei ist dann in gescheitem Blabla die Rede davon,
dass «beide auf ihre je eigene Umgebung reagieren». Pipifax! Wer
tut das nicht in irgendeiner Form? Gäbe es echte Berührungspunkte,
wäre es in der langen Vorbereitungszeit sicher zu einem irgendwie
gearteten künstlerischen Dialog gekommen. Warum nicht einfach
einräumen: Hier sind zwei grundverschiedene, eigenständige
künstlerische Persönlichkeiten mit ihrem Werk zu entdecken,
gleichzeitig und im gleichen Gebäude. Im Massstab 1:1, wie es der
Titel der Ausstellung deklariert. Mehr...
Tags:Schaulager, Monika Sosnowska, Andrea Zittel
Kunstmaschinen und Maschinenkunst
04.03.08 15:30

Als Jean Tinguely 1959 seine ersten Zeichen-Maschinen bastelte – er
nannte sie «Méta-Matics» – da tat er das, im Einklang mit seinen
aufmüpfigen Freunden aus der Bewegung der Nouveaux Réalistes, um
den Genie-Kult der gestischen Maler vom Schlage Jackson Pollocks ad
absurdum zu führen. Das Museum Tinguely in Basel setzt damit (in
seiner (gemeinsam mit der Schirn Kunsthalle konzipierten) Schau
«Kunstmaschinen Maschinenkunst»vom 5. März bis zum 29. Juni 2008
einen ironischen Kontrapunkt zu der bis zum 12. Mai laufenden
umfassenden Schau «Action Painting» in der Fondation Beyeler und
ermöglicht gleichzeitig eine Auseinandersetzung mit der Frage, wo
die wahre Kunst beginnt. Ist zum Beispiel jeder, der sich vom
reichhaltigen Angebot auf Damien Hirsts Malmaschinen-Installation
«Making Beautiful Drawings» bedient und eine Malkreide auf das
rotierende Zeichenblatt hält oder es mit Farbe betropft, ein
kleiner Pollock oder Picasso? Und wie steht es mit den Maschinen
von Antoine Zgraggen, die unseren Zivilisationsmüll zertrümmern?
Sind sie Kunst? Oder erzeugen sie welche? Die Kuratorin Katharina
Dohm und der Kurator Franz Stahlhut wollen es ausdrücklich den
Ausstellungsbesuchern überlassen, die Frage für sich zu
beantworten. Mehr noch als die intellektuelle Herausforderung wird
die Möglichkeit des Publikums, einmal aktiv Kunstbetrieb zu machen,
der Ausstellung hoffentlich gewaltigen Zulauf verschaffen.
Hier steht
die ausführliche Besprechung als PDF zur Verfügung.
Tags:Maschinenkunst, gelenkte Kreativität, Kunst für alle