09 September 2007
Hop Sviz! Die FDP auf Hasenfüssen?
14.09.07 13:44 Abgelegt
in:Politik
Dass es vielen Menschen schwer
fällt, Ideen und Meinungen klar auszudrücken, ist Allgemeingut.
Schon Heinrich von Kleist fiel auf, welche Schwierigkeiten «die
allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden» machen kann –
auch Leuten, die durchaus für sich in Anspruch nehmen, etwas zu
sagen zu haben. Politiker zum Beispiel. Öffentliches Stottern und
Stolpern, Zögern und Zagen beim Reden gelten als schlimmes Fiasko.
Geübte Redner wappnen sich deshalb mit Unverfrorenheit und gewöhnen
sich an, einfach über alle Unebenheiten hinweg zu holpern. Ihre
Hoffnung: Das Publikum soll denken, es habe sich verhört. Beliebt
ist die Methode auch, wenn es gilt, Versprecher zu vertuschen. Da
stösst sie allerdings an ihre Grenzen, denn Fehlleistungen
geschehen, wie Sigmund Freud uns lehrt, unbewusst. Unbemerkt lässt
uns der Sprecher in seine Seele blicken. Und, wenn wir Glück haben,
bleibt er stur bei seinem sprachlichen Missgriff. Zum Beispiel
FDP-Nationalrat Felix Gutzwiller am 12. September in der beliebten
Sendung «Rendevous am Mittag» von Radio DRS 1, als er in
einem Kreuzverhör erklärte, dass er die
Abzocker-Initiative ablehne, weil sie verschiedene Hasenfüsse
habe. Er meinte
natürlich den (teuflischen) Pferdefuss, eine bei genauer Betrachtung «zum
Vorschein kommende üble, nachteilige Seite einer Sache», wie uns
der Duden lehrt. Den Hasenfuss definieren die Wörterbücher
als «überängstlichen, schnell
zurückweichenden, Entscheidungen lieber aus dem Weg gehenden
Menschen». Man braucht nicht Psychoanalytiker zu sein, um aus der
Fehlleistung den Gemütszustand des Sprechenden abzuleiten: «Ihr
macht mir Angst. Das alles macht mir Angst. Am liebsten würde ich
abhauen.» Und dass er die Mehrzahl benutzte, dürfen wir sicher
freudianisch-freihändig dahin gehend interpretieren, dass er nicht
nur sich selber meinte, sondern die ganze Schar der kindlich «Hop
Sviz!»-Rufenden seiner FDP.


