Under Destruction
17.10.10 18:27 Abgelegt
in:
Kunst und Kultur

Das
kleine gelbe Plakat am Anfang der Ausstellung «Under Destruction»
im Museum Tinguely (15. Oktober 2010 bis 23. Januar 2011) lässt
keinen Zweifel: Die Besucher betreten gefährliches Terrain. Die
Gefahr droht in erster Linie vom Boden, einer Gipskarton-Wüste der
italienischen Künstlerin Monica Bonvicini mit hinterlistig
angebrachten Fehlstellen. Zerstörerische Gewalt ist in der von
Gianni Leiter des «Swiss Institute» in New York, Gianni Jetzer, und
Chris Sharp sorgfältig kuratierten Schau, nur zum Teil ein Thema.
Zerstörung wird von Künstlern heute offensichtlich weniger
spektakulär und mit politischem Hintersinn dargestellt als noch in
den sechziger und siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts.
Während Jean Tinguely damals nichts weniger als Weltuntergänge
inszenierte, geht es heute um das Verschwindenlassen von
Bleistiftzeichnungen per Radiergummi oder um Ausbleichen von
Textilien mit einer Waschmaschine. Einer lässt Seifenblassen in
Flammen aufgehen, ein anderer schickt maschninell geschmierte
Konfitüren-Toasts in den Orkus abstürzen. Geschickt spielen die
Ausstellungsmacher mit der Erwartungen der Besucher, indem sie
ihnen zunächst bloss die sanfte Tour der Zerstörung vorführen,
bevor sie es krachen lassen. Dabei darf es durchaus bedachtsam
zugehen: Die hydraulische Kraft, die einen massiven Holzbalken
zersprengt, wirkt langsam aber stetig; und der Crash zweier
Luxusschlitten braucht Wochen, bis sie, Millimeter für Millimeter,
zu Schrott gereift sind. Eine ausführliche Besprechung der
Ausstellung steht hier.
Tags:Museum Tinguely, Under Destruction, Kunst und Zerstörung, Nina Beier & Marie
Lund, Monica Bonvicini, Pavel
Büchler, Nina Canell, Jimmie Durham, Alex
Hubbard, Alexander Gutke, Martin
Kersels, Michael Landy, Liz Lerner, Christian Marclay, Kris Martin, Ariel
Orozco, Michael Sailstorfer, Arcangelo Sassolino, Jonathan Schipper, Ariel Schlesinger, Roman Signer, Johannes
Vogl, Gianni Jetzer, Chris Sharp