Christoph Gödan – Die grossen
Mütter
26.01.12 11:16

Der
deutsche Fotograf Christoph Gödan besuchte im Herbst 2006 in
Tansania und in Südafrika Grossmütter, die wegen des HIV/Aids-Tods
ihrer Töchter und Söhne ein zweites Mal Verantwortung für
heranwachsende Kinder – ihre Enkel - übernehmen müssen. Die
eindrücklichen Porträts der alten Frauen und ihre Selbstzeugnisse,
hat Gödan nun in einem Buch zusammen gefasst. Es führt den Beweis,
wie gross der Durchhaltewillen der alten Frauen trotz widrigsten
Lebensbedingungen ist, und wie wirkungsvoll sie dabei von den
winzigen Rentenzahlungen, die ihnen die Organisation KwaWazee
monatlich zukommen lässt, unterstützt werden. Der jüngste
Jahresbericht des Hilfswerks, das mit Spenden aus der Schweiz und
aus Deutschland finanziert wird, verzeichnet Ende 2011 gegen 1000
Grossmütter (und einige wenige Grossväter) sowie fast 600 Kinder
als Empfänger regelmässiger Zuwendungen. Die Alten und ihre
Grosskinder werden dabei keineswegs gehätschelt, vielmehr wird
ihnen mit dem Geld die Selbsthilfe ermöglicht. In der Provinz
Kagera im Nordwesten Tansanias, wo KwaWazee aktiv ist, haben sich
rund 700 der «Grannies» in über 60 Gruppen zusammen geschlossen;
für die Kinder und Jugendlichen gibt es sogar 125 Gruppen. Henning
Scherf, langjähriger Bürgermeister der Freien Hansestadt Bremen,
stellt in seinem Vorwort zu Gödans Buch das Engagement von Kwa
Wazee in einen grösseren Zusammenhang: «Wir müssen uns bewusst
machen», schreibt er, «dass die Frauen, die dieser Bildband aus
Südafrika und Tansania versammelt, nur wenige sind unter vielen
alten Menschen … , die Tag für Tag um ihr eigenes Überleben und das
ihrer Familien kämpfen müssen. 80 Prozent der SeniorInnen in den
Entwicklungsländern haben kein regelmässiges Einkommen. 100
Millionen alte Menschen müssen derzeit sogar mit weniger als einem
US-Dollar pro Tag auskommen.» Mehr zum Thema und zu
KwaWazee steht hier.
Christoph
Gödan: «Die grossen Mütter. Leben mit Aids in Afrika». Wien 2012
(Mandelbaum Verlag). 142 Seiten, ca. € 29.90
Tags:Christoph Gödan, HiV/Aids in Tansania, Beitragslose Renten, KwaWazee, HelpAge Deutschland, Kurt Madörin, Henning
Scherf, Nshamba, Durban
AHV für Grossmütter in Tansania
17.08.08 19:32
Als 1948 die Geldbriefträger allen über 60 bzw. 65 Jahre alten
Schweizerinnen und Schweizer jeden Monat 40 Franken AHV-Rente ins
Haus brachten, hatten keine und keiner von ihnen Beiträge bezahlt.
Das Modell der frühen AHV-Jahre übertrug der Schweizer Soziologe
Kurt Madörin, 70, vor fünf Jahren auf seine Wohngemeinde Nshamba im
Nordwesten Tansanias. Er begann mit 55 unterstützten alten Frauen;
heute bewahrt das Hilfswerk
KwaWazee 750 Grossmütter und
600 bei ihnen lebende Enkel mit monatlichen Zuwendungen von 6000
Shilling (etwa fünf US-Dollar) und 3000 Shilling pro Kind vor dem
unausweichlichen Abgleiten ins Hungerelend. Eine sorgfältige
Evaluation belegt nun die grosse Wirkung der bescheidenen Renten.
Das Gutachten mit Fallstudien und Umfrage-Ergebnissen bietet eine
Fülle von Material, das der einsetzenden entwicklungspolitischen
Debatte über soziale Sicherungssysteme für die Dritte Welt wichtige
Impulse vermittelt.
Hier sind eine
Zusammenfassung des Evaluationsberichts «Salz, Seife und Schuhe für
die Schule» und ein Interview mit dem Initianten, dem Schweizer
Soziologen Kurt Madörin, zu finden.
(Illustration © Museum
für Kommunikation, Kurt Blum)
Tags:Entwicklungspolitik, KwaWazee, Humuliza, Tansania, Kurt
Madörin, Beitragslose Renten, Cash
transfer
Einladung zur Debatte
16.07.07 14:52
Mit dem Erscheinen des Buches «Mais
nach Mass», das eine siebenjährige teilnehmende Beobachtung eines
beispielhaften, zur Hauptsache von der Syngenta Stiftung für
Nachhaltige Landwirtschaft finanzierten Entwicklungshilfe-Projekts
in Kenia zum Gegenstand hat, kann auch die allgemeine Debatte
beginnen, die
Professor Franz Nuscheler in seinem Nachwort
angestossen hat. Seiner Ansicht nach bin ich mit den
gentechnik-kritischen Hilfswerken zu streng ins Gericht gegangen.
Mein Argument, dass sich die militanten Gegner der
Agrobiotechnologie ungewollt zu Komplizen der Multinationalen
machen, weil sie die öffentliche angewandte Forschung zugunsten der
armen Kleinbauern der Dritten Welt hintertreiben, sei polemisch
überzogen und setze mich dem Verdacht aus, dass ich der
Auftraggeberin des Buches nach dem Mund reden wolle. Nichts läge
mir ferner! Wer meinen Bericht unvoreingenommen liest, merkt, dass
meine Kritik ebenso – und vor allem – auf die Agroindustrie und das
von ihr vehement verteidigte Patentrecht zielt. Es behindert die
angewandte Forschung öffentlicher Institutionen und verhindert die
Nutzung von Forschungsergebnissen zugunsten armer Kleinbauern. Dass
einige Multis in Einzelfällen bereit sind, dem Drängen und Bitten
nachzugeben und zugunsten der Armen auf Lizenzgebühren verzichten,
macht die Sache kaum besser. Denn die Bedingungen solcher – oft
befristeter – Aktionen formulieren die Konzerne selbst.
Tags:Gentechnik, Mais, Hilfswerke, IRMA